Testbericht: A-Tec Crazee Pike Game S862XH Hechtrute

Vorwort

Der japanische Rutenhersteller A-Tec fährt neben seinen vielseitigen Barsch- und Zanderruten aus der „Crazee“-Serie nun auch schwere Geschütze auf und bietet zwei neue Spinning-Modelle für die Angelei gezielt auf Hecht an. 

Hierbei handelt es sich um die Crazee Pike Game Modelle „S862X“ mit bis zu 85 g Wurfgewicht und die „S862XH“ mit bis zu 114 g Wurfgewicht. Das zuletzt genannte schwerere Modell durfte ich testen und in diesem Blogbeitrag möchte ich euch von meinen Erfahrungen mit der Rute berichten.

Der japanische Hersteller A-Tec ist inzwischen jedem JDM-Fan ein Begriff, insbesondere da der Hersteller ebenfalls hinter der Edel-Rutenschmiede Tailwalk steckt.

Preis und Qualität

Grundsätzlich sind die A-Tec Ruten deutlich günstiger und liegen meist in einem preislichen Rahmen zwischen 90 und 160 Euro, während die Tailwalk-Ruten selten mit weniger als 200 Euro zu Buche schlagen. 

A-Tec ist sehr darauf bedacht, die gewohnt gute japanische Qualität zu erschwinglichen Preisen anzubieten. Wer also auf der Suche nach einer preiswerten Spinning-Rute für die Hechtangelei mit großen Ködern ist, sollte die Crazee Pike Game Ruten mal genauer ins Visier nehmen.

Zu den Blanks

Die Blanks der Pike Game Ruten basieren im Übrigen auf den Blanks der Crazee Heavy Rockfish Rutenserie. Hier wurden entsprechende Anpassungen vorgenommen, um den Blank auf die Hechtangelei zuzuschneiden. Der untere Rutengriff wurde nochmal deutlich verlängert, um große Köder ausdauernd fischen zu können, während der kraftvolle Blank und die parabolische Aktion erhalten bleiben.

Power (Ruten):XH / Extra-Heavy
Zielfisch (Ruten):Hechtruten
Lineup (Brands):A-TEC Crazee Line-up
Länge:8’6″ ft / 2,60 m
Gewicht:240 g
Wurfgewicht:28 – 114 g
Schnurklasse:PE 2.0 – 3.0
Blankdurchmesser:~ 2,5 mm / ~ 14,3 mm
Ringe:9, FUJI O-Guides, Aluminiumoxid Inlays
Griff:Duplon, Split Grip
Grifflänge:~ 41,5 cm / ~ 54 cm
Empf. Rollengröße:Shimano 4000 / DAIWA 35xx
Transportlänge:134,5 cm
Spezifikationen: A-Tec Crazee Pike Game S862XH

Erster Eindruck

Nippon Tackle liefert mir das Modell „S862XH“ wie gewohnt sicher verpackt in einem stabilen Papprohr mit 4 mm Wandstärke zu. Die Rute befindet sich in einer zweigeteilten Nylon-Tasche. Der erste kritische Blick hinsichtlich der Verarbeitung verlief sehr positiv: Alle Ringe stehen in einer Flucht, die Wicklungen sind sauber gelegt und die Rute weist keine Auffälligkeiten oder Verarbeitungsfehler auf. 

Der Blank der Rute ist in einem schlichten aber eleganten schwarzen Design gehalten. Der bis zu dem Leitring kreuzgewickelte Blank, die goldenen Zierwicklungen und die goldenen Akzente des Rollenhalters runden das edle Gesamtbild der Rute ab. 

Versehen ist der Blank mit 9 Fuji O-Guides mit Aluminiumoxid-Einlagen. Auf teurere SIC-Einlagen wurde hier verzichtet, um den vergleichsweise günstigen Preis zu ermöglichen. In der Praxis merkt man hiervon allerdings nichts.

Trotz des hohen Wurfgewichtes ist die Rutenspitze verhältnismäßig sensibel. Mit 240 g Eigengewicht und enormen Kraftreserven im Rückgrat ist die Rute ein echtes Kraftpaket und besonders auf Stabilität ausgelegt. So ist man gegen Endgegner- Hechte oder auch mittlere Welse gut gewappnet. 

Testphase

Die Testphase dauerte etwas mehr als zwei Monate an. In dieser Zeit konnte ich viele schöne Hechte auch jenseits der Metermarke landen. Auch wenn das Wetter nicht immer mitspielte, schienen zumindest die Hechte in Beißlaune zu sein.

Der erste Eindruck des Blanks bestätigte sich auch am Wasser. Die enormen Kraftreserven verleihen dem Blank ein starkes Rückstellvermögen, womit die Pike Game wunderbare Wurfeigenschaften mit sich bringt.

Aufbau und Performance

Die Rute verfügt über ein Regular Taper bzw. eine parabolische Aktion. Damit werden auch starke Kopfschläge sauber abgefedert, um einem Ausschlitzen des Hakens entgegenzuwirken. Die parabolische Aktion tritt allerdings erst bei starker Belastung zutage. Die meiste Arbeit verrichtet die verhältnismäßig sensible Rutenspitze, welche die meisten Kopfschläge bereits sicher abfedert. 

Durch das Eigengewicht und die Länge wirkt die Rute zunächst ein wenig kopflastig. Gepaart mit einer 4000/5000er Rolle entfällt die leichte Kopflastigkeit allerdings komplett. Zudem verfügt die Rute über einen langen EVA-Foregrip, was die Rute beim Fischen dazu prädestiniert, oberhalb des Rollenhalters festzuhalten. Insbesondere bei der Angelei mit schweren Gummifischen hat sich der Foregrip als sehr angenehm herausgestellt.

Auf dem Bild lässt sich der kreuzgewickelte Blank erkennen, welcher sich von der Griffpartie bis zum Leitring erstreckt. Bei dieser Technik (X-Wrapping) werden die Kohlefasern kreuzförmig um den Blank gewickelt, wodurch dieser resistenter gegen rotationsartige Belastungen wird. Das Rückstellvermögen der Rute wird dadurch nochmals verbessert und der Blank erhält mehr Kraftreserven im Rückgrat.

Die empfohlene Schnurstärke der Rute liegt bei einer 2.0 – 3.0 PE Schnur, was einer Schnur zwischen ca. 35 und 50 lb Tragkraft entspricht. Ich entschied mich für die goldene Mitte und verwendete eine 8-fach geflochtene Schnur mit 40 lb Tragkraft während der Testphase. Da bei der Angelei mit schweren Ködern meist enorme Kräfte auf das Tackle einwirken, ist man mit einer Schnur, die etwas stärker ausfällt, auf der sicheren Seite. 

Die Gesamtlänge des zweigeteilten EVA-Rutengriffes beträgt 54 cm, was die Wurfeigenschaften und die Handhabung der Rute verbessert. Auch schwere Köder lassen sich den ganzen Tag ermüdungsfrei fischen. Vom Endstück bis zum Rollenfuß misst die Griffpartie knapp 40 cm. 

Das angegebene Wurfgewicht von 28 – 114 g bestätigte sich ebenfalls. Durch die sensible Spitze lassen sich auch kleinere Gummifische, wie der 36 g schwere Bait Breath TT- Shad 6,7“ (17 cm), gefühlvoll fischen. Nach oben hin habe ich die Rute bis maximal 130 g ausgelastet. Das ideale Wurfgewicht liegt zwischen 50 und 90 g. In dem Bereich lädt sich der Blank im Wurf ideal auf und bringt die Köder ordentlich auf Weite.

Trotz Wind und Kälte konnte die Pike Game einige schöne Fische an Land bringen. Am erfolgreichsten waren beim Test mittelgroße Gummifische, welche langsam durchs Flachwasser geleiert wurden.

Einsatzgebiete

Das Haupteinsatzgebiet der Rute liegt in der Angelei mit schweren Softbaits. Der Rutenblank ist straff genug, um auch kleine Vibrationen von Gummifischen bis ins Handteil der Rute weiterzugeben. 

Hierbei bietet es sich bei dem Foregrip an, den Zeigefinger direkt auf dem Blank zu belassen, um die Wirkung noch zu verstärken. Obwohl die Pike Game eine Bigbait-Rute ist, bleibt sie somit feinfühlig und man erkennt auch vorsichtige Anfasser von Fischen. Dies hat sich sowohl beim Einleiern, als auch beim Jiggen/Faulenzen großer Softbaits gezeigt.

Neben der Angelei mit dem Gummifisch eignet sich die Rute auch hervorragend für die Hardbaitangelei. Durch den straffen Blank lassen sich Jerkbaits und Swimbaits optimal animieren. Köder, welche starken Druck im Wasser erzeugen oder stark vibrieren, werden durch den parabolischen Blank und die sensible Rutenspitze gut abgefedert. 

In der Praxis ließen sich Spinnerbaits wie der Gan Craft Killers Bait OVER (zwischen 14 und 21 g Kopfgewicht) und große Crankbaits wie der Geecrack Avanti Magnum MR (47 g) angenehm fischen.

Hinsichtlich der Köderwahl ließ sich die Rute damit sehr vielseitig einsetzen. Mit 2,60 Metern Länge ist die Rute besonders für Uferangler interessant, da es mit längeren Ruten grundsätzlich angenehmer und einfacher ist, Fische vom Ufer aus zu drillen und von Unrat im Wasser fernzuhalten. Gerade beim Fischen an Steinpackungen, Uferböschungen und stark bewachsenen Bereichen erleichtert die Rutenlänge einiges. 

Fazit

Die A-Tec Crazee Pike Game S862XH Spinnrute konnte ich über zwei Monate auf Herz und Nieren testen. Die Hechtrute überzeugt vor allem durch ihre gute Verarbeitung und ihren kraftvollen Blank bei einem Preis, welcher für eine JDM-Rute eher gering ausfällt.

Ihre Stärken spielt die Rute durch ihre Länge von 2,60 m und ihr starkes Rückgrat insbesondere bei der Uferangelei mit mittleren bis schweren Gummifischen aus. Durch den langen Griff lässt sich eine gute Hebelwirkung erzielen und das Fischen mit schweren Ködergewichten ist ermüdungsfrei möglich. Dabei bleibt sie vielseitig einsetzbar und durch den straffen Blank lassen sich auch Jerks, Swimbaits, Spinnerbaits und Crankbaits trotz der Länge angenehm fischen.

Spinning-Ruten mit Wurfgewichten im Bigbait-Bereich sind unter JDM-Ruten eher eine Seltenheit, da die Japaner ihre schweren Swimbaits in der Regel an der Castingrute servieren. A-Tec bietet nun mit der Crazee Pike Game eine attraktive und hochwertige Spinning-Hechtrute, welche trotz eines verhältnismäßig günstigen Preises an japanischer Qualität nicht einbüßt.

Neugierig geworden? Hier geht’s direkt zur A-Tec Crazee Pike Game S862XH Hechtrute

Allzeit stramme Schnüre!

Chris

Catch and Release & Entnahmefenster (Teil 2)

Im ersten Teil dieser kleinen Serie habe ich kurz versucht darzulegen, warum das Mindestmaß als Management-Tool in Deutschland überhaupt entstanden ist und warum es so weit verbreitet ist. Das Mindestmaß als gesetzliche Regelung führt aber auch immer wieder dazu, dass behauptet wird, dass Catch and Release – also das Fangen und Zurücksetzen von Fischen – in Deutschland verboten sei. Dem ist eindeutig nicht so und warum das nicht so ist, habe ich im ersten Teil auch erläutert. 

Hier im zweiten Teil soll es jetzt im Detail um die ökologischen Folgen von „reinem“ Catch and Release gehen.

 „Reines“ Catch and Release – Nur kurz, damit wir alle das gleiche meinen

Reines Catch and Release kannte man bis vor ein paar Jahren eigentlich nur vom Karpfenangeln. Der Karpfen war/ist die heilige Kuh und es kam eigentlich überhaupt nicht in Frage, dass auch nur einer der gefangenen Fische für den Verzehr entnommen wurde. 

Das heißt, manche Angler sind bereits mit der Intention an ein Gewässer gefahren, unter keinen Umständen auch nur einen der gefangenen Fische zu entnehmen. Das wäre reines Catch and Release und unter diesen Voraussetzungen in Deutschland natürlich auch verboten. 

Mittlerweile ist diese Entwicklung auch bei anderen Fischarten angekommen und die Zahl der Angler, die ans Wasser fahren ohne jegliche Absicht einen Fisch zu entnehmen, wächst ständig (auch wenn es zurzeit noch die Ausnahme ist). 

Die Gründe dahinter sind recht schnell erklärt. Niemand muss mehr seinen Speiseplan durch selbst geangelten Fisch ergänzen. Angeln ist vielmehr eine Erholung und ein Ausgleich zur stressigen Arbeitswelt. Und wann sind wir am zufriedensten nach einem Angeltag? Richtig, wenn wir viele und möglichst große Fische gefangen haben (Birdsong et al., 2021). Das ist durch Studien belegt. 

Vergessen wir also mal den Kram vom „Naturerlebnis“ und „Schneider? Egal! Hauptsache ich war am Wasser.“ Es geht um viele und möglichst große Fische. Wie bekommt man also möglichst viele und große Fische in einem Gewässer? Klar, in dem man möglichst keine gefangenen Fische entnimmt. So einfach scheint die Logik. Ganz so einfach ist es aber natürlich nicht und hier kommen wir jetzt zu ein paar spannenden ökologischen Effekten von reinem Catch and Release. 

Wie gesagt, in Deutschland nicht erlaubt, aber in den Staaten wird es immer mehr zur gängigen Praxis und hier findet auch die Wissenschaft zu diesem Thema statt.

Ökologische Folgen von reinem Catch and Release

Die ökologischen Folgen von reinem Catch and Release sind interessanter Weise sehr abhängig von der jeweiligen Art (Sass & Shaw, 2020). 

Zum Beispiel für den Forellenbarsch zeigt die untenstehende Grafik aus dem Artikel von Sass & Shaw (2020), wie stark die Catch-and-Release-Rate für diese Fischart in einem Teilgebiet von Wisconsin (ungefähr so groß wie Bayern) zugenommen hat.

Ökologische Folgen von reinem Catch and Release
Ökologische Folgen von reinem Catch and Release

Abbildung 1: Zunahme der Catch-and-Release-Rate für den Forellenbarsch in Wisconsin (Ceded Territory) von 1991 bis 2011. Abbildung aus Sass & Shaw (2020)

Innerhalb von 20 Jahren ist die Catch-and-Release-Rate von 80% auf circa 95% gestiegen. Es ist sicher schwer zu sagen, wie die Zurücksetzraten für einzelne Fischarten in Deutschland zurzeit aussehen, aber ich denke, dass man vielleicht für den Barsch am ehesten von ähnlichen Werten ausgehen kann. 

Bei 80 % würden von 10 gefangenen Barschen am Tag 2 Barsche entnommen werden. Das kann ich mir zumindest als realistisch vorstellen. In jedem Fall hat sich für die Schwarzbarsche (zu denen der Forellenbarsch gehört) sehr deutlich gezeigt, dass der Anstieg an zurückgesetzten Fischen zwar zu einer Erhöhung der Fangzahlen pro AnglerIn geführt hat, allerdings die Wachstumsraten der einzelnen Tiere sich deutlich verlangsamt haben und auch die Maximalgröße der Tiere innerhalb einer Population kleiner geworden ist. Im Prinzip ist es also zu einer Verbuttung der Bestände gekommen. Sicher nicht das Ergebnis, was man sich von striktem Catch-and-Release erhoffen würde.Die nächste Abbildung zeigt die Zurücksetzrate für Musky (Esox masquinongy), also dem „amerikanischen Hecht“, beispielhaft für einen See ebenfalls in Wisconsin. Man sieht, dass bei dem Musky nahezu jeder Fisch zurückgesetzt wird und eine Entnahme eigentlich nicht stattfindet.

Wie sich diese hohen Zurücksetzraten auf die Anglerfänge auswirkt, ist etwas schwieriger zu quantifizieren. Fangbücher und Fangmeldungen zeigen, dass die reine Anzahl der gefangenen Fische in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Gleichzeitig zeigen andere behördliche Befischungen, dass die Anzahl an Jungfischen des Musky in den Uferbereichen der Gewässer zurückgegangen ist. Beides spricht dafür, dass die Anzahl an kleineren Muskies zurückgegangen ist. Der Effekt wäre hier also, dass die Musky an sich vermutlich größer werden, bzw. es mehr größere Fische in der Population gibt. Das geht allerdings auf Kosten der Anzahl an kleineren Individuen. Etwas sehr ähnliches würde man vermutlich auch beim Hecht beobachten können. Mehr größere Fische auf Kosten der Anzahl an gefangenen Fischen. Ob das sinnvoll ist, hängt sicherlich im Wesentlichen von den Interessen der einzelnen AnglerInnen an einem entsprechenden Gewässer ab.

Wie sich diese hohen Zurücksetzraten auf die Anglerfänge auswirkt

Abbildung 1: Zunahme der Catch-and-Release-Rate für den Musky in Wisconsin (Ceded Territory) von 1985 bis 2015. Abbildung aus Sass & Shaw (2020)

Kurzes Fazit

Obwohl es zunächst sehr einfach scheint, sind die Folgen von strikten Catch and Release nicht einfach abzuschätzen und definitiv artspezifisch. Wenn das Ziel ist, dass man mehr Trophäenfische einer bestimmten Art fangen möchte, kann Catch and Release sogar kontraproduktiv sein. 

Wir können sicher davon ausgehen, dass das, was wir in den USA für Schwarzbarsche und den Musky sehen, teilweise auf Flussbarsch und Hecht übertragbar ist. Für einen Hechtangler wie mich, der lieber ein paar mehr Aktionen am Angeltag hat, als auf einen Ausnahme Fisch zu warten, wäre reines Catch and Release sicher keine gute Lösung (zumal ich gerne Fisch esse!).

Was man nicht vergessen sollte

Diese ganze Diskussion über Catch and Release ist in Deutschland ja nochmal so richtig entfacht worden, seit einige Firmen gemerkt haben, dass man mit dem Hobby Angeln gutes Geld verdienen kann. Diese Entwicklung fand in den USA schon vor etlichen Jahren statt und der Angelsport ist mittlerweile völlig durchkommerzialisiert. Interessant finde ich daher ein Zitat aus der Einleitung des Artikels, aus dem ich auch die Infos hier gezogen habe:

„Angler CR is a relatively recent socially-driven phenomenon for inland fisheries that has been promoted to conserve charismatic and previously harvested species, and to improve population size structure and trophy potential. For example, stakeholder groups such as the Bass Anglers Sportsman Society (B.A.S.S.) and Muskies, Inc. have promoted CR as a mechanism to increase trophy potential in the black basses and muskellunge. Prevalence of CR has also been commensurate with the increasing popularity and commercialization of fishing tournaments over time because tournament sponsors often require and promote CR.“ aus Sass & Shaw (2020)

Catch and Release wird oft als Interesse der AnglerInnen für Artenschutz und dem Wohlergehen und Erhalt einer bestimmten Art verkauft. Manchmal wird es noch schlimmer, wenn Catch and Release als Schutzmaßnahme für die Unterwasserwelt dargestellt wird. Beides ist leider absolut falsch und unbegründet und wir müssen uns vielmehr darüber klar werden, dass hinter derartigen Forderungen (das trifft übrigens auch teilweise für das Entnahmefenster zu) reine wirtschaftliche Interessen stehen.

Wenn Catch and Release, dann aber richtig!

Catch and Release gehört zum Anglerleben dazu, ob nun wegen Schonzeiten, Mindestmaßen oder anderen Schutzmaßnahmen, oder eben, weil jemand gerne mehr größere Fische fangen möchte. Entscheidend ist, dass zurückgesetzte Fische auch eine gute Überlebenschance haben. Darum hier kurz in Stichpunkten wesentliche Faktoren, die zu einer hohen Überlebenswahrscheinlichkeit zurückgesetzter Fische beitragen können:

  1. Umso wärmer das Wasser, umso schneller müssen die Fische zurück!
  2. Gummierte Kescher sind Pflicht (oder Handlandung bei kleinen Fischen).
  3. Widerhakenlose Haken erhöhen die Chance auf ein Überleben der Fische enorm.
  4. Die Drillzeit sollte angepasst sein, weder zu lang, noch zu kurz! Beides sieht man leider häufig  falsch in gängigen Video-Formaten.
  5. Wenn Fische bluten, ist die Überlebenswahrscheinlichkeit sehr gering.
  6. Kleine Fische einer Art und Individuen, die um die Laichzeit gefangen werden, müssen besonders schnell zurück!
  7. Jegliche raue Oberflächen (z.B. der “coole” Teppichboden auf Booten), sind sehr problematisch, wenn die Fische damit in Kontakt kommen.

Die Liste lässt sich sicherlich ergänzen. Dazu aber an anderer Stelle mehr.

Quellen

Birdsong, M, Hunt, LM, Arlinghaus, R. (2021) Recreational angler satisfaction: What drives it?. Fish and Fisheries; 22: 682– 706. https://doi.org/10.1111/faf.12545

Sass, G, & Shaw S. L. (2020) Catch-and-Release Influences on Inland Recreational Fisheries, Reviews in Fisheries Science & Aquaculture, 28:2, 211-227, DOI: 10.1080/23308249.2019.1701407

Testbericht: Tailwalk Fullrange Avail Custom – High-End Tuning Rolle Out of the Box

Wer auf der Suche nach einer High-End Rolle für sehr leichte bis mittlere Wurfgewichte ist, sollte sich die Tailwalk Fullrange Avail Custom einmal genauer ansehen. Die Verarbeitung und Performance ist wie von Tailwalk gewohnt oberste Liga und neben der zusätzlichen Ausstattung mit Tuning Parts kommt die Rolle außerdem mit dem ein oder anderen Detail, welches sich in der Praxis als äußerst nützlich erweist.

Das Fischen mit Baitcaster erfreut sich nunmehr seit vielen Jahren großer Beliebtheit. Insbesondere Hersteller aus Japan scheinen hierbei für Enthusiasten der heilige Gral zu sein. Liebhaber greifen zur Feinabstimmung der kleinen technischen Wunderwerke sogar immer öfter zu Tuning-Parts, um das Maximum an Performance aus ihrer Rolle herauszukitzeln oder aber sich von der breiten Masse abzuheben. 

Einige Rollenhersteller nehmen uns Anglern diese Arbeit aber auch ab und bieten bereits „gepimpte“ Rollen an – so auch Tailwalk. Zusammen mit dem japanischen Tuner AVAIL hat Tailwalk innerhalb der Fullrange Familie eine kleine Custom Serie herausgebracht, welche hohe Performance „ready to fish“ verspricht. 

Wie sich das von mir getestete Modell 81L/AC-F12 geschlagen hat und welche technischen Finessen verbaut worden sind, erfahrt Ihr im Folgenden.

Modellüberblick

Geschnappt habe ich mir die Fullrange Baitcast Rolle in der 81er Größe und leicht modifiziert. Aus dem Namen gehen schon viele Rückschlüsse hervor. 

Das „R“ oder „L“ steht für Rechts- bzw. Linkshand, das Kürzel „AC“ für „Avail Custom“ und das darauf folgende „F“ mit Nummer gibt Aufschluss über das Schnurfassungsvermögen.

So bedeutet „F12“, dass die nachgerüstete Spule etwa 60 m einer 12lb tragenden Fluorocarbonschnur fassen kann. Bei der Version „F8“ sind es 60 m einer 8lb tragenden FC-Schnur. 

Solltet Ihr auf dem Rollengehäuse über die Beschriftung „LINE CAPACITY 16LB-100m“ stoßen, lasst Euch nicht verunsichern. Diese Angabe bezieht sich auf das Schnurfassungsvermögen der Standard 81L mit der tieferen Spule.  
Die Kombination aus zwei verschiedenen Fassungsvermögen sowie Rechts- und Linkshandaufbau bringen insgesamt also vier Modelle hervor.

Erster Eindruck und technische Features

Bei einer Rolle in diesem Preissegment erwartet man natürlich sowohl Performance, als auch eine super Verarbeitung. Hier überzeugt Tailwalk wie gewohnt und die Rolle besticht durch einen soliden ersten Eindruck. 

Sicher verpackt im Reel Cover – Tailwalk Fullrange Avail Custom

Die Rolle wird ordentlich geschützt geliefert. Im Lieferumfang enthalten sind außerdem neben der Rolle noch ein schwarzes Neopren-Cover mit Tailwalk Schriftzug, ein kleiner Avail Sticker, ein wenig Rollenöl und natürlich die Beschreibung. Verpackt kommt die Rolle klassisch im Pappkarton mit Schaumstoff-Schutz. 

Unten aufgeführt sind die wichtigsten technischen Daten zum Gerät:

TailwalkTailwalk Fullrange Avail Custom
Gewicht173 g
Bremskraft6,5 kg
Übersetzung8.1:1
Schnureinzug p. Kurbelumdrehung86 cm
Kugellager10+1

Optische Details der Tailwalk Fullrange Avail Custom

Nach dem Auspacken fällt natürlich als Erstes das Äußere ins Auge. Die Rolle ist schwarz gehalten mit wenigen silbernen und goldenen Akzenten. Das Design ist somit zeitlos und passt sicher zu vielen Ruten, vor allem natürlich perfekt zum Fullrange Ruten Line-Up von Tailwalk selbst. 

Die Rolle optisch als schlicht abzutun, wäre meiner Meinung nach dennoch nicht passend. Die Lackierung ist nämlich nicht einfach nur schwarz sondern stattdessen eine Art Effekt-Lackierung, bei welcher man besonders bei Sonnenschein die Metallic Partikel schimmern sieht.
Schlicht, aber dennoch mit einem gewissen Etwas – Auf Fotos lässt sich der Effekt leider nur schwer ablichten.

Optische Details der Tailwalk Fullrange Avail Custom

So fühlt sich die Avail Custom an

Beim ersten Probe Kurbeln fällt auf, dass nichts klappert bzw. unnötig viel Spiel besitzt und die Rolle ruhig und geschmeidig läuft. Die EVA-Knobs gefallen mir persönlich sehr gut und bieten viel Grip. Hinter dem Carbon-Handle befindet sich die aus Metall gefertigte Sternbremse, welche einen Klick-Sound verbaut hat und so unbeabsichtigtes Verstellen vermeiden sollte.

Handling

Beim Abzug selbst ist die Rolle wie viele Baitcaster geräuschlos. Die Spulenbremse verfügt über keine festen Positionen und lässt sich so sehr präzise justieren. Am Gehäuse lassen sich außerdem zwei Öffnungen entdecken, über welche Feuchtigkeit aus dem Bereich der Magnetbremse bzw. des Getriebes laufen kann. 

Ein weiteres interessantes Feature, welches sich an der Rolle befindet, ist ein „Line Memo“ Stellrädchen. Dort lässt sich die Tragkraft der verwendeten Schnur, angegeben in „lb“, markieren. Auf einem kleinen Plastikrädchen an der Innenseite des Rollengehäuses beim Getriebe sind die Zahlen 6 bis 25 angegeben. Besitzt man mehrere Rollen gleichen Modells, genügt ein schneller Blick auf den eingestellten Wert und man weiß, welche Schnur sich auf der Rolle befindet – so die Idee. 

Auch wenn der Aufdruck auf die Tragkraft in „lb“ hinweist, kann man die Zahlen genauso gut verwenden, um die Tragkraft in „kg“ zu markieren oder aber die Schnurstärke. Bei Verwendung von Geflecht als Hauptschnur könnte so die Zahl 10 auf einen Schnurdurchmesser von 0,10 mm hindeuten. Genauso könnte es für die Angabe PE1.0 stehen. Durchaus ein praktisches Feature!

Line Memory Feature der Tailwalk Fullrange Rolle

Avail Custom Tuning

Kommen wir nun neben den Standard-Features der Fullrange Rolle zu den Besonderheiten, welche das Avail Tuning mit sich bringt. Und dies sind zwei Punkte, welche die Performance der Baitcast Rolle verbessern sollen.  

Zum einen wurde eine goldene Custom Spule mit einem sehr geringen Gewicht von gerade einmal 7,9 g verbaut. Das Gewicht bezieht sich hierbei auf die Micro Cast Spule mit Achse und Kugellager! Je nach Modell ist die Tiefe der Spule minimal verschieden.

Auf Leichtbau getrimmt – die Avail Micro Cast Spule mit nur 7,9 g Gesamtgewicht inkl. Lager!

So kann die von mir getestete Rolle mit der Bezeichnung F12, wie oben bereits erwähnt, etwa 60 m einer 12 lb tragenden Fluorocarbonschnur fassen. Dadurch bleibt die Spule selbst voll bespult sehr leicht und das Gewicht nach außen verteilt, was die Wurf-Performance gerade mit kleinen Ködern steigert, da so der Anlaufwiderstand minimal gehalten wird. 

Zum zweiten wurde eine Magnetbremse verbaut. Diese besteht aus vier Neodym Magneten, welche auf einer Art Spirale in der Seitenklappe der Rolle verteilt werden können. Diese Spirale besitzt eine leichte Steigung, wodurch die Magnete in ihrem Abstand zur Spule verstellt werden können, um so die Kraft, welche im Wurf bremsend wirkt, zu verstellen.

Blick auf das Magnetbremssystem der Avail Custom

Um die Einstellung zu ändern, wird die Side Plate über einen Schalter entriegelt und öffnet sich danach quasi wie von Geisterhand selbst. Grund hierfür ist ein mit einer Feder ausgestatteter Haltemechanismus für die Kappe. Die Feder drückt hierbei nach dem Entriegeln die Kappe vom Gehäuse ab. Danach lässt sich diese zur Seite schwenken und gibt den Blick auf das Bremssystem frei. 

Ein super System, wodurch die Kappe auch nicht versehentlich herunterfallen kann. Auf der Spirale lassen sich die Magnete nun nach Belieben verschieben. Außerdem besteht die Möglichkeit, einzelne oder alle Magnete zu entnehmen, um extrem leichte Köder zu werfen. Die Einstellmöglichkeiten sind somit völlig stufenlos.

Einsatz in der Praxis

Zum Test am Wasser bekam ich die Rolle bespult mit einer 12 lb tragenden Fluorocarbonschnur. Als Rute kamen im Wechsel zwei Modelle der Fullrange Rutenserie zum Einsatz. Hierbei handelte es sich um das Modell Fullrange C68M/CC Baitcast Rute bzw. die Fullrange C610M aus der 2022er Serie. Einen ausführlichen Vergleichsbericht zu den beiden Ruten könnt Ihr hier nachlesen

Zunächst einmal fiel mir auf, dass die Rolle sehr gut in der Hand liegt und sich allgemein sehr schön fischen lässt. Hier macht sich die Verarbeitungsqualität und sicher auch der Einsatz der vielen Kugellager bemerkbar. 

Auch die Knobs aus EVA bieten, wie zu erwarten, einen super Grip. Bezogen auf das Einsatzspektrum passt die von mir gefischte F12 Variante gut zu einer Rute im M Bereich. Schwerer würde ich persönlich aber nicht gehen, da die Rolle bei Gewichten im oberen Wurfgewichtsbereich der Rute und bei einem kräftigen Wurf teilweise schon zum Überdrehen tendierte, und das trotz maximaler Einstellung der Magnetbremse. Mit etwas Übung gelingt es aber, dies mit dem Daumen zu puffern. 

Während des Testzeitraums und einiger hundert Würfe hatte ich allgemein aber keine Probleme oder bösen Vogelnester zu beklagen. Verwundert hatte mich dieses Verhalten der Rolle aber ohnehin nicht, da es sich ja um ein Tuning-Modell handelt, welches die Wurf-Performance der Rolle im unteren Bereich verbessern sollte. 

Auch online ist nachzulesen, dass die F12 für einen Einsatz im ML bzw. M Bereich und einem Wurfgewicht um 10 g anzusiedeln ist. Auf der Seite von Tailwalk Japan findet man außerdem die Aussage, dass die Rollen gerade bei kurzen bzw. mittleren Würfen ihre Vorzüge ausspielt. 

Das geringste von mir gefischte Ködergewicht betrug etwa 5 g, was bei der C610M Rute auch die unterste Grenze darstellt. Die Kombination aus Rute und der für dieses Ködergewicht doch relativ dicken 12lb FC Schnur brachte den Köder dennoch ohne große Probleme auf gute 25 m. 

Gepaart an einer ML Rute, mit einer etwas dünneren Schnur oder Geflecht, sollten auch diese Gewichte wunderbar gefischt werden können und sicher noch weiter fliegen. Wer noch leichter gehen möchte, der sollte zum Modell F8 und entsprechend dünnerer Schnur greifen. Dieses Modell soll für Gewichte von gerade einmal 3-5 g geeignet sein und somit auch passend für Ruten mit einem L-Rating.

Fazit

Wer auf der Suche nach einer High-End Rolle für sehr leichte bis mittlere Wurfgewichte ist, sollte sich die Tailwalk Fullrange Avail Custom einmal genauer ansehen. Die Verarbeitung und Performance ist wie von Tailwalk gewohnt oberste Liga und neben der zusätzlichen Ausstattung mit Tuning Parts kommt die Rolle außerdem mit dem ein oder anderen Detail, welches sich in der Praxis als äußerst nützlich erweist. 

Sicher ist die Rolle nichts für den schmalen Geldbeutel, aber sie hebt sich von der Masse ab und ermöglicht außerdem eine sehr präzise und feine Verstellmöglichkeit von Spulen- als auch Wurfbremse, welche bei anderen Rollen bzw. Bremssystemen so nicht möglich sind. 

Zu den Fullrange Avail Custom Baitcast Rollen gelangt Ihr hier.

Wie immer wünsche ich Tight Lines! 

Nico

Barsch, Baitcast und die „M-Klasse“ – Rutenvergleichstest mit der Tailwalk Fullrange

Glaubt man den Aussagen verschiedener Angler in Foren, auf Social Media oder auch im Bekanntenkreis, so führt für den versierten Barschangler aber auch Einsteiger wohl kein Weg an einer Baitcaster mit „Medium“ Power vorbei.

Glaubt man den Aussagen verschiedener Angler in Foren, auf Social Media oder auch im Bekanntenkreis, so führt für den versierten Barschangler aber auch Einsteiger wohl kein Weg an einer Baitcaster mit „Medium“ Power vorbei. 

Mit Blick auf meinen ohnehin schon großen Rutenwald musste ich jedoch feststellen, dass genau dort eine Lücke klaffte. Schnell war für mich klar – solch eine scheinbar super universell einsetzbare Rute wird unverzüglich benötigt! 

Dass es eine Rute aus dem Hause Tailwalk werden sollte, stand schnell fest, da meine Erfahrungen hier bislang immer überaus positiv waren. Direkt ins Auge fasste ich das Fullrange Line-Up. 

Neben ein paar älteren Modellen und Sondereditionen hat Tailwalk für 2022 diese sehr erfolgreiche und beliebte Range nun leicht überarbeitet auf den Markt gebracht. Schwere Entscheidung – und so fand sowohl eine „alte“ als auch „neue“ Rute den Weg zum Test zu mir. 

Ob das 22er Modell überzeugt und so an den Erfolg der alten Serie anknüpfen kann, lest Ihr im in diesem Artikel.

Tailwalk Fullrange: Erster Eindruck und Vergleich

Zu Beginn gibt es wieder einmal die Gegenüberstellung der wichtigsten „Rohdaten“ der Ruten, welche zum Test und Vergleich den Weg zu mir gefunden haben:

Serie u. ModellFullrange C68M/CCFullrange C610M
Länge6‘8“ ft / 2,03m6‘10“ ft / 2,08m
Wurfgewicht lt. Hersteller5-21g5-21g
Schnurklasse6-20 lbs6-20 lbs
Taperfastfast
Teilung2-teilig1+1 (Griff)
Transportlänge106cm177cm
Gewicht129g112g
Grifflänge~25cm/ ~36cm~24,5cm/ ~35cm

Weitere Angaben zu den Modellen findet Ihr direkt bei uns im Nippon Tackle Shop:

Zur Tailwalk Fullrange C68M/CC

Zur Tailwalk Fullrange C610M

Beide Ruten sind bezogen auf Wurfgewicht, Power Rating und Taper des Blanks laut Hersteller gleich. Hier lag auch mein Fokus. Ebenso ist die Differenz der Gesamtlänge gering. 

Eine der wesentlichen Unterschiede, welche sich auch später beim Transport ans Wasser bemerkbar machen sollte, ist die Teilung. So steht die Abkürzung „CC“ im Namen beim älteren Modell für „Center Cut“, was sich in einer mittigen Teilung der Rute und somit geringeren Transportlänge widerspiegelt. 

Hingegen wurde beim neuen Modell auf eine 1+1 Teilung zurückgegriffen. In der Praxis bringt dies zwar eventuelle Transportschwierigkeiten mit sich, auf der anderen Seite jedoch sollte der Blank dadurch eine bessere Aktion und Übertragung erhalten. Im ersten Eindruck nach dem Auspacken machte sich dies auch direkt bemerkbar. 

So fällt der Blank des alten Modells aufgrund der mittigen Teilung ab der Mitte bis zur Spitze etwas stärker aus, was sich auch durch eine minimal straffer wirkende  Aktion der Rute bemerkbar macht. 

Die neue C610M (link) ist hier dünner und wirkte „sensitiver“. Der etwas robustere Aufbau der C68M/CC (link) in Kombination mit dem durchgehenden EVA-Reargrip führen vermutlich auch zum Gewichtsunterschied von 17g im Vergleich zum neuen Modell. 

Auf dem Papier liest sich das jedoch schlimmer, als es sich in der Realität anfühlt. Beide Modelle liegen leicht und ausgewogen in der Hand.
Ebenso wie beim Rutenvergleich der Tailwalk EGinn mit der Tailwalk Crimson (Link: XXXX) habe ich die Biegekurve der Rute bei mir Zuhause mit Rolle und Schnur bei verschiedenen Belastungen dokumentiert und verglichen.

Biegekurve C68M/CC (oben) und C610M (unten) bei 250g Belastung

Schon bei mäßiger Belastung sind feine Unterschiede erkennbar. Der Blank des 2022er Modells ist deutlich Spitzenbetonter.

Biegekurve C68M/CC (oben) und C610M (unten) bei 500g Belastung

Unter stärkerer belastung ist die ausgeprägtere Aktion der neuen Rute ebenfalls deutlich zu erkennen. In der Praxis sollte sich dies in einer besseren Feinfühligkeit gerade im Bereich des unteren Wurfgewichtspektrums äußern. 

Außerdem ist eine etwas bessere Aufladung im Wurf zu erwarten. Auf der anderen Seite lässt sich dadurch aber vermuten, dass das Einsatzspektrum in bestimmten Bereichen etwas unterschiedlich ausfällt. Hierzu aber später mehr im Praxistest.

Bezüglich der oben genannten Griffteilung der neuen Serie hier noch ein Hinweis: Die Steckverbindung sitzt, neu ausgepackt, ungewohnt straff und hat sich anfänglich nur extrem schwer zusammenstecken und wieder auseinanderziehen lassen. 

Zunächst war ich dadurch etwas verunsichert, ob ich eventuell ein „Montagsmodell“ erwischt hatte oder es bei anderen Ruten genauso ist. Wie sich herausstellen sollte braucht es nur ein wenig Zeit und mehrmaliges Verbinden und wieder lösen. 

Nach zwei drei Einsätzen am Wasser hat es gepasst. Man benötigt zwar immer noch etwas Kraft, aber definitiv keine Gewalt! Lasst Euch hiervon also nicht verunsichern, falls dies bei Eurer Rute anfänglich auch so sein sollte. 

Zum Schluss sei hierzu außerdem erwähnt: lediglich drei der !15! neuen bzw. neu aufgelegten Modelle sind 1+1 geteilt – der Rest kommt einteilig.

Griff- und Rutendesign

Bezüglich des Griffs setzt Tailwalk beim 22er Modell nun auf einen Kork/EVA Split Grip, sowie bei den Modellen mit durchgehenden Griffen gänzlich auf Kork.

Auch der Rollenhalter hat sich geändert und so findet sich ein extra für die Serie neu designter und sehr gut in der Hand liegender FUJI Rollenhalter mit Tailwalk Logo an der Rute wieder.

Ansonsten sind beide Ruten im Großen und Ganzen schlicht schwarz gehalten, kommen  ausgestattet mit FUJI Beringung und ein paar wenigen goldenen Akzenten. Alles in allem kann man das Design der Fullrange-Serie als schlicht und edel bezeichnen. Mir hat es schon immer gefallen! 

Innerhalb der 2022er Serie gibt es dennoch eine kleine Neuerung: eine dezente „Farbcodierung“ mittels Zierwicklung vor dem Rollenhalter. Diese soll dabei helfen, die Ruten bezüglich ihrer Einsatzbereiche schneller zu identifizieren und voneinander zu unterscheiden. 

So kommt z.B. Beispiel das von mir gewählte Modell C610M mit einer schwarzen Zierwicklung daher, was sie als „Versatile“ markiert. Diese Modelle sind vom Blank und Ringaufbau so entwickelt worden, dass ein möglichst breites Spektrum an Ködern mit verschiedenen Führungsstilen eingesetzt werden kann. 
Genauere Details zu der Codierung lest Ihr aber am besten genauer im Shop (link) oder auf der tailwalk.jp Seite selbst nach.

Barsch, Baitcast und die „M-Klasse“ – Rutenvergleichstest mit der Tailwalk Fullrange
Barsch, Baitcast und die „M-Klasse“ – Rutenvergleichstest mit der Tailwalk Fullrange

Der Praxitest

Nun galt es, die gewonnenen ersten Eindrücke in der Praxis zu überprüfen. Hierfür habe ich beide Ruten im Wechsel entweder mit einer Daiwa Alphas SV TW 800  bzw. der Tailwalk Fullrange Avail Custom 81L/AC-F12 gefischt. 

Als Besonderheit sei hier direkt erwähnt, dass ich als Hauptschnur auf Fluorocarbon zurückgegriffen habe. Die sich daraus ergebenden Besonderheiten bzw. Unterschiede spreche ich später bei den entscheidenden Punkten an.

Wurfweitenvergleich

Mein erster Eindruck der beiden Ruten sollte sich auch beim Thema Wurfweite bestätigen. Ich habe mir zur Verdeutlichung hierzu am Wasser die Zeit genommen die Weiten bei verschiedenen Wurfgewichten zu ermitteln und für Euch zusammenzufassen. 

Getestet wurde an einem Tag mit wenig Seitenwind und Stabgewichten aus Tungsten. Nach dem Auswerfen habe ich die Kurbelumdrehungen gezählt, bis das Gewicht wieder komplett eingeholt war. 

Mittels des Schnureinzugs pro Kurbelumdrehung der Rolle habe ich dann daraus die Distanz errechnet. Mit jedem Gewicht wurden drei Würfe durchgeführt und die Entfernung gemittelt. 

Als Rolle wurde für den Test die Daiwa Alphas genutzt, welche mit etwa 75m Fluorocarbon mit 10lbs Tragkraft (0,26mm) bespult war. Außerdem sei zu erwähnen, dass ich bei weitem noch sicher kein Baitcast-Profi bin. 

Im folgenden aufgelistet findet Ihr aber nun meine so ermittelten Werte:

GewichtWurfweiteWurfweite
C68M/CCC610M
5g~26m~30m
7g~34m~37m
10g~46m~48m
14g~54m~56m

Bitte beachtet: Meine Testbedingungen waren idealisiert und solch ein Stabblei hat in der Luft einen sehr geringen Widerstand. Je nach Form des real eingesetzten Köders sowie der Schnur und Rolle können bei gleichem Gewicht also unterschiedliche Entfernungen zu Stande kommen. Für den Vergleich sollten die Ergebnisse aber aussagekräftig genug sein.

Generell fällt auf, dass das 22er Modell bei jedem Wurfgewicht die Nase etwas vorn hat. Dies liegt sicher an der Eingangs beschrieben etwas anderen Aktion der Rute. 

Außerdem bestätigte sich hier mein Eindruck, welchen ich beim fischen mit verschiedenen Ködern  bereits gewonnen hatte: Durch die sensiblere Spitze des neuen Modells sind Köder mit einem Gewicht ab 5g definitiv gut fischbar. 

Das Modell C68M/CC fällt insgesamt doch einen kleinen Tick straffer aus, was sich in einer etwas schlechteren Wurfdistanz als auch minimal schlechteren Sensibilität bei leichten Ködern bemerkbar macht. 

So finde ich das vom Hersteller angegebene Wurfgewicht von 5-21g beim Modell C610M definitiv korrekt gewählt, wohingegen das ältere Modell nach meinem empfinden erst ab 7g wirklich gut performt. 

Und auch wenn ich es nicht mit „Messdaten“ erfasst habe – auch die angegeben 21g Wurfgewicht schaffen beide Ruten. Dort ist dann aber definitiv Schluss. Perfekt arbeiten beide Modelle nach meinem empfinden etwa im Bereich von 7-18g.

Köder und Führungsstile

Natürlich ist für einen Rutenvergleich aber nichts wichtiger als die Erfahrungen, welche man beim fischen am Wasser sammelt. Ich hatte beide Ruten bis zum Verfassen dieses Berichts etwa 2 Monate lang bei mehreren Ausflügen mit am Wasser. 

Ausprobiert wurden wie immer verschiedene Köder und Rigs, sowie unterschiedliche  Führungsstile. Hierbei wurde schnell klar: Beide Ruten sind wie erwartet sehr universell einsetzbare Arbeitstiere und somit genau das, wonach ich gesucht habe.

Angefangen bei bodennahen Anwendungen wie Texas-, Carolina- oder Free- Rig, über Twitchbaits bis hin zu kleineren Searchbaits wie z.B. Cranks oder Chatterbaits. 

Das Animieren von Rigs empfand ich mit dem Modell C610M durch die feinere Spitze etwas gefühlvoller. Während der Tests am Wasser habe ich häufig mit dem Free-Rig und Gewichten zwischen 5 und 7g mit Krebsimitaten von 2,5 bis 4 Inch gefischt.

Über die Zeit hinweg stellte sich heraus, dass beide Ruten eine super Übertragung haben und ich selbst feine Bisse problemlos erkennen konnte – und das trotz des Einsatzes von Fluorocarbon! Im Drill arbeiten die Ruten auch schon bei kleineren Fischen wunderbar und puffern so das typische Barsch-Schütteln perfekt. Dennoch merkt man zu jeder Zeit die M-Power und auch bei größeren Fischen hat man genügend Rückgrat, um diese sicher zu landen. 

Des Weiteren habe ich auch viel mit Crankbaits und Twitchbaits gefischt. Hier sind beide Ruten ebenso gut geeignet, wobei das Modell C68M/CC durch die etwas straffere Spitze besser mit etwas größeren Baits klarkommt. 

Dennoch gibt es natürlich Grenzen. So würde ich mit keiner der beiden Modelle große und tieflaufende Crankbaits verwenden, da diese zu viel Widerstand im Wasser aufbauen und damit die Ruten „überladen“. Kleinere Shallow- bzw. Medium Runner, wie  z.B. der Zipbaits B-Switcher MDR Midget, lassen sich jedoch problemlos präsentieren und zielgenau auf super Wurfdistanzen befördern. 

Gerade der B-Switcher (link) brachte mir im Testzeitraum auch einige schöne Barsche und sogar Zander ans Band. Beim Twitchen habe ich verschiedene Minnows zwischen 7 und 10 cm getestet, wie z.B. den Megabass Vision Oneten Jr. oder aber Zipbaits Trickshad 70 SP (link). Auch diese Führungsmethode und Köderart lässt sich mühelos an der jeweiligen Kombo fischen. 

Zum Schluss sei noch kurz das Thema „Jiggen“ angesprochen. Da ich mit Fluoro anstatt Geflecht als Hauptschnur gefischt habe war dies natürlich nicht optimal möglich, da das Anstarten des Köders zu einem gewissen Maße durch die Dehnung der Schnur verpufft ist. 

Außerdem hatte ich Probleme bei der Bissverwertung, da der Anhieb bei Bissen in der Absinkphase ebenfalls häufig „verpuffte“. Wer hier nun aber auf PE als Hauptschnur setzt wird auch beim Jiggen oder Faulenzen von Gummifischen am Jigkopf bzw. anderen Ködern wie z.B. Jigspinnern keine Probleme haben.

Mein Fazit

Mit der Fullrange 22er Serie hat Tailwalk wieder einmal vieles richtig gemacht. Das ohnehin schon sehr große Line-Up wurde nun nochmals erweitert und verbessert. 

Ob Spinning oder Casting – sowohl für  unterschiedliche persönliche Vorlieben als auch praktische Anwendungsbereiche steht nun eine Rute parat. 

Bei dem von mir getesteten Modell im M-Power Bereich kann ich nur festhalten: Perfekt! 

So werde ich persönlich auch die C610M der 22er Serie in meinen Rutenwald aufnehmen. Letzten Endes ist es aber eine persönliche Entscheidung, für welches Modell aus welcher Serie man sich entscheidet. 

Wer z.B. auf eine Zweiteilung der Rute nicht verzichten kann, ist bei der älteren Serie und den CC-Modellen genau richtig aufgehoben und muss kein bisschen Qualität missen.

Wem also nun der „Tackleaffe“ im Nacken sitzt – hier geht’s direkt zu den neuen Fullrange ’22 Modellen

Tight Lines, 

Nico

Barotrauma – Ab welcher Fangtiefe ist ein Zurücksetzen von Fischen nicht mehr sinnvoll?

Angler und Angelmethoden werden immer effektiver und verschiedene Entwicklungen ermöglichen auch in der kalten Jahreszeit immer bessere Fänge von Fischen unterschiedlichster Arten. Viele dieser Fische sollen oder müssen nach dem Fang wieder schonend in ihr Element entlassen werden. Aber, gerade jetzt im Winter suchen immer mehr Fische die tieferen Bereiche der Gewässer auf und wir als angelnde Personen müssen uns fragen, ob ein Zurücksetzen eines gefangenen Fisches überhaupt noch sinnvoll ist. 

Neben der „normalen“ Sterblichkeitswahrscheinlichkeit durch den Prozess des Angelns, kommt ab einem bestimmten Tiefenbereich noch die Gefahr eines Barotraumas für die Fische hinzu. Was bedeutet Barotrauma, woran erkennt man es und welche Fischarten sind ab welchen Tiefenbereichen besonders betroffen? Das erfahrt ihr in dem folgenden Artikel.

Das Barotrauma

Man kennt eine extreme Form des Barotraumas meist aus Angelberichten aus dem Meeresbereich. Oft sieht man in solchen Berichten Fische mit „Glotzaugen“ oder Fische dehnen die Schwimmblase quasi aus dem Maul rausguckt (Bild siehe oben, Fisch wurde zum Verzehr entnommen).

Im Bereich des Angelns tritt das Barotrauma ganz generell dann auf, wenn Fische aus größeren Tiefen an die Oberfläche geholt werden. Das Problem ist die fehlende Möglichkeit zum Gasaustausch. Besonders die Luft in der Luftblase dehnt sich extrem aus und zerquetscht den Fisch quasi von innen. Aber auch alle anderen gasgefüllten Räume dehnen sich aus. 

Neben diesen extremen Anzeichen kann ein Barotrauma aber auch weniger offensichtlich sein. Zum Beispiel in Form einer Quetschung von inneren Organen, Gasembolien oder inneren Blutungen. Wir als angelnde Personen merken das nicht, für den Fisch sinkt allerdings die Überlebenswahrscheinlichkeit dramatisch. Ein Barotrauma ist also nicht immer für uns offensichtlich zu erkennen, umso besser sollten wir die Tiefenbereiche kennen, ab denen es für bestimmte Fischarten kritisch werden kann.

Welche Fischarten sind besonders betroffen?

Ab welcher Tiefe ein Barotrauma auftreten kann, ist natürlich von der Fischart abhängig. Ganz generell gibt es zwei große Gruppen, die hier unterschieden werden. Die Physostomen und die Physoklisten. Bei den Physostomen Fischen existiert eine Verbindung zwischen Schwimmblase und Darm. Diese Verbindung ermöglicht einen schnelleren Gasaustausch und damit eine geringere Gefahr eines Barotraumas. Bei den Physoklisten existiert diese Verbindung nicht. Ein schneller Gasaustausch ist nicht möglich und die Gefahr eines Barotraumas steigt.

Ein paar wenige Beispiele:

PhysostomePhysoklisten
HechtBarsch
RegenbogenforelleZander
Karpfen
Rapfen

Wann ist ein Fisch in zu tiefem Wasser gefangen worden?

Wir sollten unsere Aufmerksamkeit also vor allem auf Barsche und Zander richten. Studien zu genau diesen beiden Fischarten sind eher selten. Das liegt daran, weil die entsprechenden Genehmigungen für notwendige Experimente oft nur schwer zu bekommen sind (so wissenschaftlich interessant und relevant ist das Thema dann doch nicht). Das Gute ist, dass das in Nordamerika ganz anders aussieht und wir uns daher auf Studien von z.B. nahe verwandten Arten stützen können: Walleye (Sander vitreus) und Gelbbarsch (Perca flavescens).

Für beide Fischarten scheint eine Tiefe von 10 Metern eine sehr bedeutende Grenze zu sein. In einer erst kürzlich veröffentlichten Studie stieg die Sterblichkeit für Walleyes ab der 10 Meter Marke rasant von 5 auf 37% an (Lyon et al., 2022)! Bei 12 Metern Wassertiefe lag die Sterbewahrscheinlichkeit bei 92%. Erste Anzeichen für ein Barotrauma können allerdings schon früher auftreten. 

Schreer et al. (2009) fanden bereits erste Anzeichen für ein Barotrauma bei Walleye und Gelbbarsch ab einer Tiefe von knapp über 6 Metern. Aber auch hier stieg die Sterbewahrscheinlichkeit erst ab 10 Metern rasant an. Im Kontrast dazu steht eine Studie, die keinen Effekt der Fangtiefe auf die Sterblichkeitswahrscheinlichkeit von Walleyes feststellen konnte (Twardek et al., 2018). Hier sind Fische zwischen 6 und 12 Metern Wassertiefe gefangen worden. 

Auch ganz speziell für Gelbbarsche scheint die Tiefe von 10 Metern eine entscheidende Rolle zu spielen (Knight et al., 2018). Bei einer Tiefe von 6 Metern liegt die Sterbewahrscheinlichkeit noch bei unter 5%, bei 18 Metern sind es dann mehr als 95%. Bei circa 10 Metern zeigen ungefähr 50% der gefangenen Fische ein Anzeichen für ein Barotrauma. 

Wie gesagt, selbst wenn wir keine äußeren Anzeichen für ein Barotrauma feststellen können, kann es trotzdem innerliche Verletzungen geben. Fische mit Barotrauma haben kaum eine Überlebenschance. Wenn man also vor hat, gefangene Fische ggf. zurückzusetzen, sollten 10 Meter Wassertiefe das absolute Maximum sein. Wer verantwortungsbewusst angelt, hört am besten bei einer Tiefe von 6 Metern auf.

Was verhindert ein Barotrauma?

Wenn man über das Thema Barotrauma spricht/schreibt, hört man ganz oft, dass ein langsamer Drill dazu beitragen soll, dass Fische höhere Überlebenschancen haben. Die Idee ist, dass man dem Fisch quasi Zeit für einen Druckausgleich gibt. Stellt man sich vor, dass bei Physoklisten der gesamte Druckausgleich der Schwimmblase über Diffusion und Osmose geschehen muss (beides eher langsame Vorgänge), wird eigentlich schnell klar, dass das wenig Sinn macht. 

Zumindest ein Bericht aus den Staaten konnte ich finden, der nahe legt, dass in Bezug auf die Zeit, die Gelbbarsche brauchen um sich vom Fang in 3 oder 6 Meter Wassertiefe zu erholen, die Dauer des Drills absolut keine Rolle spielt (https://faculty.bemidjistate.edu/ahafs/wp-content/uploads/sites/2/2015/05/2015.-Klingsheim-B.J.-Influence-of-depth-and-retrieval-speed-on-yellow-perch-barotrauma-recovery-time-in-winter.pdf, aufgerufen am 15.11.2022). 

Neben diesem „langsamen“ Drill gibt es noch weitere Methoden, die immer wieder genannt werden, um die Effekte eines Barotraumas zu verringern und die Überlebenswahrscheinlichkeit der Fische zu erhöhen. Ich nenne diese Methoden hier erst gar nicht und möchte den Bericht lieber mit zwei (englischen) Zitaten beenden, die eben genau die Effektivität dieser Methoden untersucht haben.

“On the basis of these results, wherever possible Macquaria novemaculeata suffering barotrauma should be immediately released with no treatment.” (Roach et al., 2011)

Zwar keine heimische Fischart, aber M. novemaculeata ist der „Australische Bass“ und wie gesagt, es geht um die Anatomie, nicht die genaue Fischart! In einer weiteren Studie, in dem Fall dann zum Walleye, heißt es:“Eliminating catch-and-release angling in deep water is the best means of managing barotrauma in Walleye.”  (Eberts et al., 2018)

Fazit

Die Verwertungsabsicht für gefangene Fische sollte in gleichem Maß steigen wie die Tiefe, in der die Fische gefangen werden!

Ab 10 Meter macht ein Zurücksetzen absolut keinen Sinn mehr. Aber auch ab 8 Metern Tiefe sollte man sich ein Zurücksetzen bereits gut überlegen.

Autor: Dr. Martin Friedrichs-Manthey (Gewässerökologe)

Quellenangaben

Eberts, R. L., Zak, M. A., Manzon, R. G., & Somers, C. M. (2018). Walleye Responses to Barotrauma Relief Treatments for Catch-and-Release Angling: Short-Term Changes to Condition and Behavior. Journal of Fish and Wildlife Management, 9(2), 415-430. https://doi.org/10.3996/112017-jfwm-096 

Knight, C. T., Kraus, R. T., Panos, D. A., Gorman, A. M., Leonhardt, B. S., Robinson, J., & Thomas, M. (2018). Is Barotrauma an Important Factor in the Discard Mortality of Yellow Perch? Journal of Fish and Wildlife Management, 10(1), 69-78. https://doi.org/10.3996/062018-jfwm-056 

Lyon, C. A., Davis, J. L., Fincel, M. J., & Chipps, S. R. (2022). Effects of capture depth on walleye hooking mortality during ice fishing. Lake and Reservoir Management, 1-7. https://doi.org/10.1080/10402381.2022.2130118 

Roach, J. P., Hall, K. C., & Broadhurst, M. K. (2011). Effects of barotrauma and mitigation methods on released Australian bass Macquaria novemaculeata. Journal of Fish Biology, 79(5), 1130-1145. https://doi.org/https://doi.org/10.1111/j.1095-8649.2011.03096.x 

Schreer, J. F., Gokey, J., & DeGhett, V. J. (2009). The Incidence and Consequences of Barotrauma in Fish in the St. Lawrence River. North American Journal of Fisheries Management, 29(6), 1707-1713. https://doi.org/10.1577/M09-013.1 Twardek, W. M., Lennox, R. J., Lawrence, M. J., Logan, J. M., Szekeres, P., Cooke, S. J., Tremblay, K., Morgan, G. E., & Danylchuk, A. J. (2018). The Postrelease Survival of Walleyes Following Ice-Angling on Lake Nipissing, Ontario. North American Journal of Fisheries Management, 38(1), 159-169. https://doi.org/10.1002/nafm.10009