Schwarzbarschangeln mit Krebsimitaten

Im Rahmen des Leitartikels Angeln mit Krebsimitaten haben wir unserem Teamangler Jogi ein paar Informationen bezüglich der Schwarzbarschangelei in Italien, Frankreich und der Schweiz entlocken können. Nice to know, wie wir finden, und damit geht das Wort an Jogi: „In den letzten Jahren wurde ja nicht nur das JDM–Tackle stetig populärer, sondern auch das im Ausland übliche und direkt damit verbundene Angeln auf Schwarzbarsch! Da ich selbst reisebegeistert bin, war es also nur eine Frage der Zeit, bis mich das Black Bass Fieber infizierte und ich mich immer tiefer mit der Materie beschäftigt habe. Seitdem sind ein paar Jahre ins Land gezogen und nun möchte ich euch einen kleinen Einblick in meine Erfahrungen geben.“

Black Bass Areas

Seit dem mich 2009 das Schwarzbarschfieber gepackt hat, bin ich in Italien, Frankreich und der Schweiz Bass’n gewesen. Und so schön wie das Sprichwort „andere Länder – andere Sitten“ ist, so weichen auch die Bestimmungen voneinander ab! Hier mal eine kleine Auflistung der wichtigsten Eckdaten.

Italien

Neben dem Lago Maggiore, Lago di Bolsena, Luganer und dem Gardasee gibt es beispielweise auch noch die Region Padua mit dem River Brenta und zahlreichen kleineren Seen. An den ersten aufgezählten Gewässern gibt es, wie in Deutschland auch, an verschiedenen Stellen Tageskarten, die man häufig auf dem Postamt oder bei den örtlichen Angelshops bekommt. In der Region Padua gibt es eine Art Touristen–Angelschein, den man für 13 € bekommt und dann für 3 Monate so ziemlich alle (ausgenommen ein paar private) Gewässer beangeln kann. Aber auch hier ist es hilfreich, sich vorher genau zu informieren, denn nicht in allen Gewässern gibt es auch Bass. Wen das Schwarzbarschangeln auch mal juckt, dem kann ich Matteo aus der Region um Padua als Guide empfehlen. Er regelt nicht nur die Formalitäten, sondern er hat auch eine nette Unterkunft sowie ein schönes Bass Boat, um die besten Spots anzusteuern. Auch für die Belly–Fraktion gibt es hier zahlreiche Tümpel! Außerdem spricht und schreibt er fließend Englisch. Hier geht’s direkt zu www.zetabass.com

Unterkunft bei Zetabass - Schwarzbarsch Guiding in Italien

Frankreich

Hier war ich nur im Rhein–Delta, der sogenannten „Rhein–Au“, direkt an der deutsch–französischen Grenze, auf Bass. Ich habe aber noch von ettlichen anderen Seen und Flüssen weiter im Landesinneren gehört, welche definitiv noch auf meiner ToDo-Liste stehen. Tageskarten bekommt man in Frankreich meist schon sehr günstig und auch die Jahreskarten – welche meist notwenig sind, um an den richtig guten Gewässern zu fischen – sind mit rund 70 € auch nicht zu teuer für einen Kurzurlaub oder regelmäßige Abstecher.

Schweiz

Wie man es auch sonst von Schweizern gewohnt ist, kochen sie beim Thema Schwarzbarsch ihr eigenes Süppchen. So musste ich schnell feststellen, dass man hier unter dem Stichwort Bass oder Schwarzbarsch nicht viel findet, sondern die Fischart eher als Forellenbarsche bekannt ist. Vor vielen Jahren waren diese wohl noch recht verbreitet, doch mittlerweile ist das Vorkommen stark eingeschränkt. Ich selbst war nur mal auf der Schweizer Seite des Luganer Sees, und habe ein paar kleine Exemplare fangen können. Sicherlich gibt es noch ein paar andere Gewässer, in denen sie vorkommen, doch ist ein Ausflug nach Italien hier deutlich lohnender.

Generell ist es in der Schweiz sehr kompliziert an Gästekarten zu kommen, denn die vielen Kantone haben allesamt unterschiedliche Gesetze. Ich erwerbe meine Karten daher online über das Forstamt der jeweiligen Region und zahle mit Kreditkarte. Dies spart mir einiges an Ärger auf den örtlichen Behörden. Die für mich besten Jahreszeiten zum Bassen sind eigentlich Anfang Mai und Oktober in Italien, denn dann ist das Klima dort nicht nur mit einem angenehmen Sommer wie hier zu vergleichen, sondern auch die Durchschnittsgröße sowie die Frequenz stimmt. Der April ist dafür bekannt, dass – wenn er Fisch bringt- diese in ordentlich Größen gefangen werden. Genau in dem Zeitraum sammeln sich die Barsche zum Laichen und fressen oft genug gar nichts mehr. Da dieses Verhalten von der Wassertemperatur abhängig ist, kann es sein, dass sich im einem Tümpel nichts mehr tut, während die kleinen Großmäuler im anderen Tümpeln hingegen richtig aktiv sind. In den Monaten Juni, Juli und Anfang September kann man prima auf Sicht mit Topwaterbaits in den Uferzonen fischen, was definitiv süchtig macht. Jedoch sollte man mit Temperaturen von über 40°C klar kommen.

Schwarzbarsch – Fachchinesisch for Dummies

Pre-Spawn: Als Pre-Spawn wird im Allgemeinen die Zeit bezeichnet, in der sich die geschlechtsreifen Schwarzbarsche im Frühjahr sammeln, ihre Winterplätze verlassen und in die „Pre–Spawn Areas“ ziehen, also im flachen gelegene Uferzonen, die sich schnell erwärmen. Kommt man genau während dieser Phase an ein Gewässer, kann man sich auf einige Schneidertage einstellen.

Hook-Setting: Das bedeutet direkt übersetzt „Haken setzen“ oder einfach so viel wie „der Anschlag“ und ist beim Bass’n essentiell und gleicht meist einem Double-Round-House Kick. Wer schon mal einen Schwarzbarsch in der Hand oder gesehen hat, weiß warum. Im riesigen Maul eines Bass haben es die Haken schwer, Halt zu finden und müssen deshalb ordentlich gesetzt werden! Bei den meisten Applikation muss ein kleiner Moment mit dem Anschlagen gewartet werden, da sonst der Köder noch nicht tief genug im Maul ist und einfach wieder herausgezogen werden würde.

Close to the Bank: Wer schon mal ein Guiding auf Schwarzbarsch hatte, hat den Spruch auf jeden Fall schon mal gehört, denn so nah am Ufer wie möglich ist enorm wichtig, um gute Fangerfolge zu erzielen.

Keeper: Wer sich tiefer mit der Materie des Bass Angelns auseinander setzt, kommt zwangsweise um die ganzen Tournaments, die auf der ganzen Welt veranstaltet werden, nicht herum. Neben einigen italienischen/europäischen, wie dem All Star Bass Contest oder dem Lake Trophy gibt es zum Beispiel in den USA die Bass Master Classic, bei der Preisgelder von über 100.000 Dollar für die 5 größten Keeper ausgezahlt werden. Ein Keeper ist also ein Schwarzbarsch von über 28 cm, der dem Tunierangler als Wertungsfisch einen Platz in der Rangliste sichert.

Der Keeper - Schwarzbarsch mit mehr als 28cm

Die Praxis: Gummikrebse tief im Cover!

Und nun zu dem wichtigsten Teil, dem Doing! Je nach Jahreszeit variieren meine Köder natürlich auch enorm! Während ich im Frühjahr und im Herbst eher größere Köder (3 bis 4 Inch, aber auch mal 5 oder 6 Inch) einsetze, baue ich im Sommer lieber auf kleinere Köder (1, 2 bis 3 Inch). Dies hängt mit dem natürlichen Nahrungsangebot sowie den Fressgewohnheiten zusammen, denn im Frühjahr und im Herbst ist das Nahrungsangebot bei weitem nicht so üppig wie im Sommer. Das heißt im Klartext, dass sich die Bass nach dem Pre-Spawning den Magen voll schlagen, um nach der Fresspause wieder Energie zu tanken, sowie im Herbst sich den sogenannten Winterspeck anfressen! Im Sommer dagegen werden die Bass wieder etwas träger, da Nahrung schon fast im Überfluss vorhanden und die Wassertemperatur deutlich höher ist. Als Köder kommen bei mir hauptsächlich Texas–Rigs und Fransen-Jigs zum Einsatz. Als Searchbaits verwende ich sehr gerne Chatter-, Spinner- und Crankbaits. Hinzu kommen dann in den warmen Monaten Insektenimitate und Frösche, aber auch vereinzelt mal Swimbaits.

Schwarzbarsch auf Spinnerbait / Buzz-Bait

Meine Lieblingsmontagen bleiben aber das Texas–Rig bzw. der Fransenjig, da sich die Schwarzbarsche bekannterweise im Heavy Cover aufhalten und effektiv nur mit den Rigs dort raus zu zuppeln sind. Als Trailer auf den jeweiligen Montagen verwende ich dann Wurmimitate oder aber, und das noch viel lieber, Gummikrebse wie zum Beispiel die Beat Craw von Geecrack oder die U30 Rush Craw sowie die BYS Flappin Chunk von Bait Breath, welche mir schon häufig durch das Bys–Aroma den entscheidenden Vorsprung gebracht haben.

Montiert wird das Texas-Rig in der Regel mit einem „Flipping“ Tungsten Bullet in 3/8oz / 10,5gr, vor welches ich 2 Decoy Texas Lock’s auf die Schnur fädle und nach einem Bullet Lock kommt dann direkt ein scharfer Offsethaken. Viele kennen das Texas-Rig ja bereits von hier, jedoch ist das Blei auf der Schnur frei laufend und wird oft im Zusammenhang mit einer Glasperle oder Sound Beeads gefischt. Auf dies verzichte ich jedoch gänzlich, da das Blei vor dem Bait fixiert sein muss, um frei durch das Cover zu kommen. Die Cover-Jigs werden ebenfalls in einer Gewichtsklasse um die 3/8oz gefischt. Bei diesen sollte man darauf achten, dass der Weed–Guard aus mehreren strammen Stäben besteht. So ist garantiert, dass selbst wenn einer knicken sollte, man noch durch das Cover hindurch kommt. Bewährt haben sich hier bei mir die Equip Hybrid Rubber Jigs in 3/8 Ooz. Die 3/8 Unze hat sich als die allroundfähigsten Gewichtsklasse herauskristallisiert, denn zum Einen haben sie ein ausreichend schweres Gewicht, um die Craws durch das Schilf und Holz zu drücken und zum Anderen befördern sie die Montage angemessen langsam zum Gewässergrund – somit hat der Schwarzbarsch auch ausreichend Zeit, den Köder zu Schlucken.

Krebsimitate im Heavy cover - auf Schwarzbarsch

In den meisten Fällen animiere ich die Craws sehr langsam am Gewässergrund durch ein leichtes „shaken“ der Rutenspitze auf der Stelle direkt im Cover oder wenige Zentimeter vor der Schilfkante, denn dort lauern die Bass auf ins Wasser gefallene Beute oder nach Nahrung suchenden Krebsen. Die Besonderheit beim Angeln mit den genannten Montagen ist, wie oben schon kurz erwähnt, dass man nach dem ersten Fischkontakt einen Moment mit dem Hook Setting warten muss, denn der Bass saugt den Köder auf und schwimmt dann davon. In dieser Zeit presst er mit dem Köder zusammen aufgesaugtes Wasser aus den Kiemen heraus und erst dann liegt der Köder im Maul an – nun kann ein ordentlicher Anhieb gesetzt werden. Häufig sieht man in YouTube nach solchen Anschlägen einen knallharten, bedingungslosen Drill und nur wenige Augenblicke später fliegt der Bass ins Boot, da fragt man sich natürlich schon zu Recht – wo bleibt da der spannende Drill der sonst so kampfstark angepriesenen Bass? Das alles hat nur einen Grund, denn wenn am anderen Ende ein Keeper über 4 bis 5 Pfund zappelt, dann sollte man diesen so schnell wie möglich aus dem Cover zerren und wenn’s sein muss, auch die Rute über die Rolle im Wasser tunken, um den Bass am Springen zu hindern. Allzu leicht verliert man sonst die aggressiven Racker im Drill. Ganz anders sieht das aus, wenn man eine solche Maschine in freiem Terrain drillt. Dann kann man die Bremse lockern, so dass er nicht springt und neben einigen schönen Fluchten, wie man es von großen Hecht kennt, schlägt der Bass auch noch in die Rute wie ein Zander.

Angelausrüstung für Schwarzbarsch

Wenn ich auf Schwarzbarsch los ziehe, dann hab ich mindestens 4 Kombos dabei. Natürlich geht das fast nur vom Boot aus – vom Ufer sollte man sich vorher sehr genau Gedanken darüber machen, wie man Fischen will, da die Art des Angelns dann doch sehr speziell ist.

Eine L–Setup

Man benötigt eine Setup bis ca 1/4 oz für kleine Creaturebaits und das Dropshotting und andere kleine Applikationen. Bei mir besteht diese Setup aus einer Graphiteleader Vigore Nuovo 64L und einer Daiwa Presso 2025H. Die Vigore 64L eignet sich besonders für dieses universelle Einsatzgebiet, da sie sehr sensibel ist, was mir bei der Bisserkennung zu Gute kommt. Durch das kräftige Backbone und der schnellen Rückstellgeschwindigkeit des Blanks kann ich aber auch einen auf die BJ Bug gefangen Bass prima aus dem Cover ziehen.

Zwei ML – Ruten

Als 2tes Setup fische ich eine moderate ML–BC, wie zum Beispiel die Tailwalk DelSol C632ML in Verbindung mit einer Daiwa Presso LH und einem 8 bis 10 lbs starken Fluorocarbon. Diese Kombo kommt bei mir für alle oben aufgezählten Searchbaits zum Einsatz. Die Dritte im Bunde ist bei mir eine ValleyHill Blackscale XX „Devil Jig Custom“ in Verbindung mit einer 2500er Certate. Bei dieser Spinning handelt es sich um eine sehr kraftvolle Rute bis 1/2 oz, mit der ich Texas-Rigs vertikal durch Bäume shake, die ich zuvor auf dem Echolot am Gewässergrund gefunden habe! Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass sich besonders kapitale Keeper gerne in den warmen Jahreszeiten in 2 bis 3 m tiefem Wasser an größeren Hindernissen aufhalten und dort auf vorbei kommende Nahrung lauern.

Eine MH bis H – Setup

Dies ist beim Bass’n wohl die am häufigsten eingesetzte Kombination. Für Jigs und Rigs um die 3/8 oz + Trailer braucht man eine kräftige, sensible und vor allem schnelle Rute! Antworten auf all diese Anforderungen hab ich in der Graphiteleader Vigore Nuovo 610MH gefunden, gepaart ist diese bei mir mit einer Daiwa Steez 103HL und einer PE wie der PeeWee in der Stärke #1.0! Eine Casting eignet sich für dieses Einsatzgebiet deutlich besser im Vergleich zu einer Spinning, da bei der Köderpräsentation hier häufig geskippt und gepitcht werden muss.

Power Rating Spinning Baitcaster
L (Light, bis 3/8oz / 10g) 18 Ruten 9 Ruten
ML (Medium-Light, 1/2oz / 15g) 11 Ruten 15 Ruten
MH bis H (Medium-Heavy / Heavy, bis 1 1/2oz / 45g) 8 Rutten 11 Ruten

Viele Bassangler setzen als Main–Line auf Fluorocarbon, da ich jedoch meine Setups auch hier einsetze und dann zum Teil auf große Distanzen fische, brauche ich PE! Um dennoch im Cover mit den vielen scharfen Schilfgräsern oder rauen Baumstümpfen klar zu kommen, binde ich mir dann ein dementsprechend langes Fluorocarbonvorfach an! Ein kleiner Tipp am Rande ist, sich einen gummierten Kescher anzuschaffen, denn wer mal einen Bass auf einen mit Drillingen bestückten Crankbait gefangen hat, der weiß, wie schnell man die Haken in die Hand geschüttelt bekommt. Ich hoffe der Einblick in eine besondere Art des Raubfischangelns hat euch gefallen und vielleicht animiert es ja den einen oder anderen auch einmal, etwas Neues auszuprobieren. In dem Sinne, Tight lines!

– Jogi

Bait Breath Köder mit BYS Aroma

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